Ich fliege nicht gerne, und das hat mehrere Gründe. Zum einen ist das dieses latente Unbehagen gegenüber einem Stück Blech, das fliegt. Sicherlich hat da die mangelnde Aufmerksamkeit im Physik-Unterricht ihr übriges getan, auch wenn man logisch schon weiß, dass da nichts so gut wie fast wenig passieren kann und auch, dass im Falle eines Falles immer noch wenig geschieht, wenn man sich richtig verhält. Der andere Grundhorror: Es könnte sich jemand neben mich setzen, der nicht in seinen Stuhl passt. Letzteres ist in der vergangenen Nacht fast Wirklichkeit geworden: Mit nur einem Sitz Unterschied ging der Horror des “kostenlosen warmen Kissens” an mir vorbei.
Das humanoide Kissen kam übrigens nicht nur mit einer Fülle an Körper, sondern auch mit einer Fülle an Unterhaltung an Bord: Neben einem musikalischen Eigenprogramm und erstaunlichen Sitztanz-Fähigkeiten verfügte der gute Mann über einen derart sonoren Sound beim Schnarchen, dass man nur noch mit Ohrstöpsel plus Kopfhörer auf mittlerer Lautstärke durchkam. Dass er auch noch allen Frauen auf den Hintern gucken stieren musste, rundet das Bild perfekt ab.
So, und wenn man 14 Stunden neben diesem Mann saß, dann weiß man, was der Vorteil der Business-Class ist. Mit mehr Beinfreiheit und besserem Essen hat das nichts zu tun, es ist schlicht die große Entfernung der Plätze zu einander. Nach rechts und links. Und die wäre in der Nacht ihr Geld wert gewesen.
So, und nun noch ein kurzer Hinweis an alle Sozialpädagogen: Ja, man soll für alles Verständnis haben. Aber das fällt Euch nur so leicht, weil ihr in Euren bequemen Altbauwohnungen beim Rotwein sitzt, und aus sicherer Distanz die Menschen in Euer Weltbild integriert. Nicht in der Holzklasse der South African Airways.