Wenn man in diesen Tagen auf den Chefsessel eines bedeutenden Handyherstellers wechseln müsste, würde man sich wohl kaum den Posten des Motorola-Chefs aussuchen. Vielleicht würde man in die luxuriöse Chefetage bei Nokia einziehen wollen oder die technischen Finessen des Samsung-Chefsessels erkunden. Man könnte sich auch im Erfolg des Aufsteigers bei LG sonnen oder als Apple-Chef sich überall auf die Schulter klopfen lassen. Einen leitenden Posten bei Motorola würde wohl kaum jemand nach ganz oben auf seiner “Was-ich-mal-werden”-Liste schreiben. Denn kein anderer Handy-Hersteller ist jemals so tief gefallen, wie die Amerikaner.
Nach der unglaublichen Erfolgsgeschichte des Razr V3 schien man die Gesetze des Marktes außer Kraft gesetzt zu haben, schienen alle Tore des Erfolgs weit offen zu stehen – legendär der angekündigte Sturm auf den Marktführer Nokia, der als ein laues Lüftchen verpuffte. Marktanteile, Verkaufszahlen, Image schmierten ab ins Bodenlose. Der Aufschlag war hart und schüttelte die Motorola-Führung kräftig durcheinander. “Sanieren, kooperieren, schließen” hießen beim bereits vergangenen Konkurrenten Siemens die Optionen kurz vor der endgültigen Schließung der Werkstore. Kaum einer glaubte, dass es Motorola anders als den Münchenern ergehen würde, als die Abspaltung der Handysparte bekanntgegeben wurde. 