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BILD Dir Deine Lobbyarbeit! Heute: Koch und Schmidt


Hübsch, wirklich hübsch ist es derzeit, sich Deutschlands nach dem ADAC-Mitgliedermagazin auflagenstärkstes Druckerzeugnis anzuschauen. Nirgendwo sonst in diesem Land kann der aufgeweckte Journalistik-Student Medienmanipulation durch Lobbyarbeit so schön wiederfinden wie in der BILD. Nein, wir reden nicht von den Küblböck-Interviews zum Dschungelcamp, die RTLs Wiederauflage zumindest noch einstellige Quoten garantieren dürfte. Zwei andere hervorragende Beispiele sind viel deutlicher und so unverhohlen, dass jedem, der noch “Objektivität” von der BILD erwartet hätte, das Grauen in die Knochen fährt: Die Liebe zu Roland Koch und die Lobbyarbeit für die Arbeitgeber-PR-Agentur INSM.

Das mit Koch kann man kurz machen: Nach der allgemeinen Hetze gegen Ausländer (alle potentiell kriminell), die von der BILD seit dem schlimmen U-Bahn-Attentat betrieben wurde, hat man nun eine feste Rubrik eingerichtet, die über die neuesten Schandtaten der Ausländer hierzulande berichtet. Bemerkenswert ist dabei, wie hier Fakten verdreht werden: Tatsächlich sind es immer weniger ausländische Jugendliche, die Straftaten begehen, aber Fakten haben die Zeitung mit den vier Buchstaben ja noch nie von der Berichterstattung abgehalten.

Das Neueste ist aber erst heute auf der BILD-Fläche erschienen: Unter der wie immer kreativen Überschrift “teuer, teuer, Ulla Schmidt” wettert das Blättchen gegen die Gesetzliche Krankenversicherung. Und auf Basis welcher Daten? Tja, hier wird es pikant. Denn die Studie, die von der BILD zitiert wird, stammt aus einer hübsch einseitigen Quelle, nämlich dem INSM. Klingt zunächst unverdächtig, ist aber die “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft”, eine PR-Agentur der Arbeitgeberverbände, die auch seltsamerweise immer genau zu dem Schluss kommt, den die Arbeitgeber hören möchten. In diesem Fall: Der Gesundheitsfonds muss weg.

Garniert wird das mit einer Grafik, die kaum manipulativer sein könnte: Zum einen wird das Ergebnis einer bestellten Auftragsstudie der Arbeitgeberlobby – also die Erhöhung der Beiträge – als Tatsache suggeriert.
Zweitens wird der Leser auch noch bei der Höhe der errechneten Mehrbelastungen getäuscht. Die Berechnung der Tabelle bezieht sich “auf Durchschnittseinkommen von 3077 Euro brutto/Monat“, was aber nur hübsch klein und augenschonend unten eingebracht wird.

Wie schreiben es noch die Nachdenkseiten so hübsch?

BILD ist keine Zeitung, die informiert und kommentiert, was die Rolle der Medien in einer Demokratie sein sollte, nein, BILD betreibt systematische Meinungsbeeinflussung zur Durchsetzung interessensbezogener politischer Ziele – Kampagnenjournalismus eben.

Keine weiteren Fragen, Ihr Zeuge.

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