Hello again, Moto
Wenn man in diesen Tagen auf den Chefsessel eines bedeutenden Handyherstellers wechseln müsste, würde man sich wohl kaum den Posten des Motorola-Chefs aussuchen. Vielleicht würde man in die luxuriöse Chefetage bei Nokia einziehen wollen oder die technischen Finessen des Samsung-Chefsessels erkunden. Man könnte sich auch im Erfolg des Aufsteigers bei LG sonnen oder als Apple-Chef sich überall auf die Schulter klopfen lassen. Einen leitenden Posten bei Motorola würde wohl kaum jemand nach ganz oben auf seiner “Was-ich-mal-werden”-Liste schreiben. Denn kein anderer Handy-Hersteller ist jemals so tief gefallen, wie die Amerikaner.
Nach der unglaublichen Erfolgsgeschichte des Razr V3 schien man die Gesetze des Marktes außer Kraft gesetzt zu haben, schienen alle Tore des Erfolgs weit offen zu stehen – legendär der angekündigte Sturm auf den Marktführer Nokia, der als ein laues Lüftchen verpuffte. Marktanteile, Verkaufszahlen, Image schmierten ab ins Bodenlose. Der Aufschlag war hart und schüttelte die Motorola-Führung kräftig durcheinander. “Sanieren, kooperieren, schließen” hießen beim bereits vergangenen Konkurrenten Siemens die Optionen kurz vor der endgültigen Schließung der Werkstore. Kaum einer glaubte, dass es Motorola anders als den Münchenern ergehen würde, als die Abspaltung der Handysparte bekanntgegeben wurde.
Das ausgerechnet ein Hersteller aus dem Service-Eldorado USA sich eingestehen muss, nicht gut genug auf Kundenwünsche eingegangen zu sein, zeigt die Arroganz, mit der Motorola auf dem Weltmarkt aufgetreten ist. Um so verwunderter hat man sich lange die Augen gerieben und einen Razr-Klon nach dem anderen auf den Markt geschmissen. Frei nach dem Motto: “Das muss ja klappen, schließlich hat es beim ersten Razr doch auch geklappt.” Doch der Kunde tat genau das, was Kunden immer tun, wenn sich der Anbieter zu weit von den Bedürfnissen entfernt hat. Er hat einfach bei der Konkurrenz gekauft.
Jetzt hat Motorola ein wesentlich größeres Problem als Neueinsteiger wie zum Beispiel iPhone-Erfinder Apple. Denn jeder Verkäufer weiß, dass es schon schwer genug ist, einen neuen Anbieter im Markt zu platzieren. Doch um ein Vielfaches schwerer ist es, die Millionen Ex-Kunden zurückzugewinnen, die ja offensichtlich gute Gründe hatten, einen großen Bogen um Motorola-Handys zu machen. Wieso also sollten sie jetzt wieder zurückkehren?
Udo Lindenberg singt auf seinem neuen Album “…auch der härteste Scheiss geht irgendwann mal wieder vorbei…” – und es scheint, als würde man sich bei Motorola die Zeilen des Alt-Rockers zu Herzen nehmen. Im Gespräch mit inside-handy.de backt Olaf May, Leiter des Motorola-Mobilfunkbereichs in Deutschland, auf einmal kleine Brötchen. Nicht mehr Marktanteil sondern Profitabilität sollen im Vordergrund stehen. Plötzlich ist man mit schnödem “Geld verdienen” zufrieden, anstatt die Welt erobern zu wollen. Endlich will man wieder hören, was Kunden wollen und “organisch” wachsen. Die neuen Modelle Rokr und das Fotohandy Motozine Z5 machen Hoffnung und könnten den Abwärts-Trend stoppen. Auch die Zusammenarbeit mit Kodak könnte helfen, doch auch das wird alleine nicht reichen. Motorola braucht wieder ein innovatives Highlight-Produkt, dass auf die ganze Produktlinie strahlt. Ob dazu der Bereich Design und Mode ausreicht, den Motorola sicherlich so intensiv beackert, wie kein anderer, darf bezweifelt werden. Musik, Mobile Internet, Foto – überall wird man sich anstrengen müssen, um mit dem Wettbewerb überhaupt Schritt halten zu können.
Es braucht also ein neues Feld. Von den technischen Kompetenzen wäre Handy TV ideal für die Amerikaner – aber der Markt scheint dazu noch nicht bereit. Siemens Mobile hatte kurz vor dem Verkauf an BenQ das “Bike-O-Meter” herausgebracht, einen Fahrrad-Computer im Handy, Samsung versucht sich mit dem Adidas-Handy inklusive Pulsmesser und Trainings-Computer, selbst Nike und Apple haben schon gemeinsame Sache bei Laufschuhen und iPod gemacht. Vielleicht wäre ja eine ähnliche Kooperation der Weg, um sich eine neue Nische zu sichern, vor allem, weil diesen Bereich noch kein Hersteller konsequent zu besetzen versucht. Und mit Puma wäre sogar noch ein Sport-Label “frei“, dass seinen Erfolg der sportlichen “Mode” verdankt – und mit Mode kennt man sich im Hause Motorola schließlich aus.
Interessante Beiträge:
- Holz – Der Stoff aus dem Handyträume sind
- Der Wegwerf-Mythos
- Angebot der Woche: Palm zu verkaufen!
- Motorola MotoRIZR Z6: Na endlich! Und wir haben die Bilder
- Quo vadis Motorola? Bei den Quartalszahlen?


Juli 21st, 2008 at 12:21
also ich finde motorola wirklich super, doch die klapp-handys gehen sooo schnell kaputt. wie kommt das?
Juli 21st, 2008 at 16:13
Hi, kaputt ist nicht gleich kaputt. elektrische Defekte sind oft Produktionsbedingt, Fehlerhafte Schaltkreise, falsche Bestückung, Konfigurationsfehler, Platinenfehler usw. Mechanische Defekte sind meist Nutzerbedingt bzw. eine Mischung aus Nutzer, Materialwahl und Verarbeitung. Ein Ei geht schließlich auch kaputt wenn es runterfällt aber deswegen hat Natur nicht schlecht produziert!
Doch der Hersteller wählt manchmal die falschen Materielen in der Hoffung der Kunde packt sein Handy in Watte.
z.B. V3, da ist der Grundträger aus Druckgussaluminum und wurde in der Nähe des Gelenkes einfach zu dünn gewählt. Folge: die Dinger brechen sehr schnell durch. Das wird aber von Motorola sehr Kulant behandelt und in der Regel bekommt der Kunde kostenlos Ersatz. Vorsicht nicht bei alles Serien und Modellen, Garantie sollte es nat. auch noch haben. Der Service von Motorola und dessen Kulanz ist sehr gut im Vergleich zu anderen Hersteller.
Aber was nützt der beste Service, wenn das Produkt nicht mehr Zeitgemäß ist. Moto hat mit Sicherheit Potenzial aber die nutzen das nicht, statt dessen wird auf dem V3 rum gekaut. Ein Trost gibt es, Moto hat schon immer so eine Berg und Tal fahrt hingelegt, nur die Täler werden immer tiefer.
VG
August 31st, 2008 at 19:00
Also ich hab das v3i gehabt und nun ein v9 und ich bin sehr zufrieden mit der Stabilität.
Bisher ist noch nix kaputt gegangen und ob es sonst ein “sehr gutes Handy” ist kann ich gar nicht wirklich beurteilen weil ich das Ding wirklich nur für telefonieren und MP3′s breuche. das kann es – als Klapphandy hats eine angenehm große Tastatur und damit bleib ich auch weiterhin bei diesem Typ Handy