Noch so ein Sieg und der Freenet-Vorstand ist verloren
Ja, am Freitag kommen die Action-Fans unter den Aktionären wohl so richtig auf Ihre Kosten:
Nach der Ankündigung der Großaktionäre Drillisch und United Internet Freenet-Chef Eckard Spoerr zu stürzen, werben beide Lager um die Zustimmung weiterer Aktionäre. “Die Hauptversammlung wird aufgeregter sein, als die im vergangenen Jahr,” kündigte ein Drillisch-Sprecher gegenüber inside-handy.de an.
Das klingt nach einem filmreifen Showdown der Kontrahenten. Wir schreiben Freitag, den 08.08.08 – kurz nach Mittag, also Highnoon. Eine staubige Hauptstraße in einem kleinen Kaff namens Hamburg irgendwo im Wilden Westen. In der Mitte ein Saloon, davor eine tobende Menge Aktionäre. An einem Ende der Straße: Der Sheriff, Eckard “The Gun” Spoerr, ihm gegenüber am anderen Ende der kleinen Stadt steht Paschalis “Eagle Eye” Choulidis, der Mann, dem man nachsagt, er ziehe schneller als sein eigenes Pferd. Plötzliche Stille, nur das monotone quitschen einer Windradpumpe ist im Hintergrund zu hören. Mit einer ruckartigen Handbewegung zieht Choulidis seinen Revolver, Spoerr versucht zu kontern…gleichzeitig scheinen die Revolver zu explodieren und ihre tödliche Ladung in Richtung des Gegners zu transportieren. Als der Dunst sich verzieht kann die Menge erkennen, beide haben den jeweiligen Gegner getroffen – aber nicht schwer verletzt. Denn beide Gegner stehen noch. “Unentschieden!” ruft einer der Aktionäre aus dem Saloon…. (to be continued…)
Die meisten Experten glauben, dass sich am Freitag, auf jener besagten Freenet-Hauptversammlung, der bisherige Vorstand knapp behaupten wird. Ob das gut ist, ist eine andere Frage, denn das wird die Situation keinesfalls vereinfachen. Drillisch und United Internet haben ja bereits angekündigt, im Falle einer Niederlage weitere Anteile zu kaufen. Dann wird es allerdings ein sehr schweres Jahr für Freenet, weil man bis zur nächsten HV sehr mit sich selbst und den inneren Machtkämpfen zu tun haben wird. Der Drillisch-Chef hat bereits angekündigt, dass mit dem Debitel-Management eine gute Ersatz-Lösung parat stehen würde…wie soll der jetzige Freenet-Vorstand mit den Debitel-Leuten vor diesem Hintergrund richtig zusammenarbeiten? Die Integration von Debitel, Talkline, _dug, callmobile in die Systeme von Freenet, mobilcom, klarmobil usw. ist schon ressourcenfressend genug – jetzt muss man auch noch jeden Schritt dreimal überdenken, damit einem die eigenen Leute nicht in den Rücken fallen. Klingt für mich nicht nach Spass.
Gerade in den Freenet/mobilcom-Shops sowie in den _dug-Shops geht nach wie vor die Existenzangst um – und je ungewisser die Zukunft, desto schwieriger die Lage. Im Grunde sind nur zwei Szenarien für das Unternehmen hilfreich. Entweder United Internet und Drillisch gelingt tatsächlich der Putsch und damit die Machtübernahme bei Freenet. Oder Freenet-Chef Spoerr zaubert einen Helfer und Retter aus dem Hut, der so viele Anteile an Freenet übernimmt, dass eine geeignete Abwehrschlacht gegen Drillisch & Co. möglich wird. Dazu muss aber Eckard Spoerr erstmal eine glaubwürdige Vision einer zukünftigen Freenet entwickeln. Wo will er das Geld verdienen? Wie will er Kunden erreichen? Was ist die Lücke, die Freenet auch gegen die Netzbetreiber verteidigen kann?
Am Ende bleibt der Zweifel, ob sich Eckard Spoerr auf Dauer halten kann. Selbst wenn am Freitag eine Mehrheit der Aktionäre dem Vorstand das Vertrauen ausspricht: Noch so ein Sieg, und Spoerr ist nicht mehr zu halten.
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