RSS-Feed

Pimp the Alps


Was kann man vor langer Weile tun machen, wenn man von allem schon genug hat: Käse, Uhren, Nummernkonten, Kräuterbonbons und Neutralität? Diese Frage stellten sich wohl auch die Daniel Düsentriebe der Schweiz und kamen zu dem Entschluss, die schon in die Jahre gekommenen Alpen ein wenig zu pimpen. Dabei geht es nicht um Spurverbreiterung der Pisten, Sportsitze in den Hotels, Metalliclack mit Flammenoptik auf den berühmten Messern, Soundanlagen und Flachbildschirmen in den Seilbahnen oder Tieferlegung der Bergseen. Nein, sie wollen hoch hinaus.

Einige Schweizer sind der Meinung man müsste das gewaltige Bergmassiv tunen. Wie die Süddeutsche Zeitung in ihrer Onlineausgabe berichtet, wollen die Zermatter Bergbahnen: „…das Klein Matterhorn um 117 Meter aufzustocken.“, um so ein weiteren 4000ender ihr Eigen zu nennen. An sich eine nette Idee, wenn man nicht eh schon 76 davon hätte.

Der Plan sieht ein pyramidenförmiges Konstrukt aus Stahl und Glas vor, welches (unter künstlichen Überdruck-denn atmen ist in dieser Höhe schwer) Restaurants, ein Hotel, Konferenzräume und eine Aussichtsplattform beherbergen soll und an die 70 Millionen Euro kostet. Ein Klacks, denn Geld hat man in der Schweiz bekanntermaßen genug. Zudem soll es gläserne Lifte geben, welche am Gletscher entlang die Besucher zur Spitze befördert. Die Tourismus-Leute aus Zermatt schwärmen schon mal von einem „…weiterem Markenzeichen der Schweiz…“. Auf der Zermatter Internetseite findet man weitere Details. So soll die Energie größten Teils über Solaranlagen generiert werden, auch wird die Errichtung eines Windkraftwerkes geprüft. Die Idee kommt übrigens von Heinz Julen (er schlug schon einmal vor das Matterhorn zu sprengen): „Schon immer sehnt sich der Mensch nach dem Universum, nach magischen Erlebnissen. Das Projekt ist ein kleiner Schritt in diese Richtung.“

Die Frage nach dem “Warum machen die das?” ist leicht beantwortet: “Weil sie es können!” Und nicht nur auf dem Klein Matterhorn. Ein 117 Meter hohes, turmartiges Hotel war auf der Laxeralp geplant, in dem sich die oberen Stockwerke einmal am Tag um 360 Grad drehen. Zugegeben, man hätte eine tolle freie Sicht auf Berge, Berge und nochmals Berge. Lediglich der Umstand, dass durch das Hotel der Titel „Unesco-Weltnaturerbe“ in Gefahr war, brachte die Investoren dieses 60 Millionen Projektes, an ihre Grenzen. Das dies alles keine Hirngespinnste sind zeigt wohl die Tatsache, das weltbekannte Architekten sich im Bau-Boom verewigen wollen. Die Erfinder der Allianzarena in München und des Olympiastadions in Peking, Herzog & de Meuron, planen für die Schatzalp ein 105 Meter hohen Wohnturm.

Zum Glück gibt es aber auch Kritiker dieser sinnlosen revolutionären Bauvorhaben, die ihre Ablehnung begründen mit, das „…die Silhouette [der Berge] verändert würde.“ Ja ne, is klar. Wenn das kein Argument gegen die Pläne ist, dann weiß ich auch nicht. Vielleicht gibt es in der Schweiz auch bald eine Revolution im Bezug auf die Mietpreise, welche dann nicht mehr in Quadratmetern sondern in Höhenmetern berechnet werden. Und in einschlägigen Hotelbeurteilungsseiten findet man dann Einträge wie: „Die Anreise auf das 4000 Meter hohe gelegene Hotel war sehr beschwerlich. Der Seilbahntransfer vom Flughafen dauerte 2 Stunden .“ oder „Leider konnten wir die angepriesene freie Aussicht im Turmhotel nicht genießen, da rings um alles voller Kräne stand. Auch waren wir durch den ständigen Baulärm auf dem Nachbarberg genervt…!“

Wie sagte Herman van Veen einmal: „Ich stehe mit beiden Beinen fest in den Wolken!“…Wäre doch ein toller Slogan für Hochglanz-Reisekataloge der Schweizer Berge.

Interessante Beiträge:



Ein Kommentar zu “Pimp the Alps”

  1. Yannick:

    Ich finde die Grundlogik hinter dieser Denke durchaus überzeugend:

    Oben ist es kalt. Wo es kalt ist, gibt es Schnee. Wo Schnee ist und oben, gibt es Berge, die man zum Skifahren nutzen kann.

    Unten ist es warm. Durch den Klimawandel wird es immer wärmer. Die Wärme zieht nach oben. Der Schnee schmilzt genauso wie der Skitourismus-Umsatz.

    Ergo: Wenn man alles etwas nach oben verlegt ist der Klimawandel kein Thema mehr. Ich versteh das.

Nachricht hinterlassen