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Second Life: Willkommen im Kettenbrief 2.0


Euro-MünzenAlle einmal die Hand hoch, die nicht wissen, was Second Life ist. Danke, aha, doch so viele. Mit Verlaub: Wo wart Ihr die letzten sechs Monate? Im Wald? Auf Madagaskar? Nun gut, so sei es denn einmal kurz umrissen, ist doch ein “Ich-hab-dazu-eine-Meinung” stets mit einem Minimum an Information im Hintergrund zu versehen. Second Life ist, wie sein Name suggeriert, etwas, womit man seine gesamte Freizeit, wenn nicht sogar wichtige Teile seines Lebens verschwenden verbringen kann. Es ist ein MMORPG, was nichts anderes bedeutet als ein Rollenspiel für tausende und abertausende Menschen, die sich in einer virtuellen Welt treffen, weil ihr Leben in der realen Welt nichts taugt. Soweit, so einfach und nicht weiter dramatisch. Das tun viele, die Fluchten in Parallelwelten haben seit Erfindung der Religionen eine etablierte Tradition. Doch bei Second Life geht es nicht um ein Phantasie, nicht um Ideen, nicht um große Geschichten. Bei Second Life geht es nur um Geld.

Das ganze Second Life-Imperium ist auf Geld aufgebaut: Bereits bei der Anmeldung wird klar, dass die Angabe der Kreditkartennummer ein wesentlicher Eckpfeiler der gesamten Lebensdurchführung bedeutet. Alles, was man erreichen möchte, und sei es nur die Eröffnung eines Schuhgeschäfts (habe ich gestern bei einem dieser Planetopia-Formate gesehen), kostet Geld. Zwar “nur”

Das schlimmste an alldem ist die massive Medienunterstützung, die diese mies gerenderte Welt mit ihren anscheinend real kommunikationsunfähigen Bewohnern erfährt: Ob CNN, Frankfurter Allgemeine oder sogar die ZEIT, alle berichten über diesen Hype, ohne anscheinend zu wissen, was dort eigentlich geschieht.

Doch was geschieht, ist recht leicht zu erkennen, wirft man einen Blick auf die ökonomische Struktur des Zweitlebens: Das Geld, was in diesem Mikrokosmos zirkuliert, kommt von den Neuanmeldungen. Neueinsteiger finanzieren die Alteingesessenen, neben dem Geld, dass die durch den Medienhype aufgeschreckten Werber in das Projekt pumpen. Kommt das jemandem bekannt vor? Sagte gerade jemand Pyramidenspielchen? Richtig, denn Second Lifes Ökonomie basiert auf nichts anderem.

Nur zur Verdeutlichung: Geld kostet dort schließlich alles, auch das dortige Geld. Da muss man schon mal den Hut ziehen: Die Firma Linden, die vermutlich das einzige Unternehmen ist, dass mit Second Life Geld macht, hat die passende Währung gleich miterfunden. Die heißt Linden-Dollar und wird je nach Tagesform gewechselt, das bedeutet, den Wechselkurs legt Linden selbst fest. Außerdem ist der Wechselkurs derart hoch, dass man sich ganz schnell für einen Gewinner hält, und das dürfte wohl viele verpickelte Würstchen Mitspieler freuen.

Tausende Menschen mühen sich nun tagtäglich im ersten und im zweiten Leben ab, um es zu schaffen. Die arbeiten ganz real, entwerfen neue Produkte mit einer komplexen Software, und das für einen Hungerlohn. Echtes, hartes Geld ist dort rar, daher legt Linden auch einen so großen Wert auf jeden neuen Premium-Account. Den braucht man auch, will man etwas im Spiel erreichen. Nur, und das haben wir bei alle bisher schon angewandten Kettenbriefen gelernt, profitieren werden immer nur diejenigen, die das Spiel begonnen haben.

Die ganze Ökonomie basiert also auf externem Geld, und sollte es eines Tages fehlen, oder im größeren Stil abfließen, bliebe Linden nur noch der Schritt, die Wechselkurse zu senken. Das wiederum würde aber zu einem noch schnelleren Abfluss des Geldes führen, genau wie bei einer Bank, bei der das Gerücht umgeht, sie sei pleite. Denn wozu, wenn nicht für das reale Leben, schuften die Menschen an ihren virtuellen Avataren? Die ganze Linden-Wirtschaft dürfte wie eine riesige Blase platzen, und übrig bleibt: Nichts. Kein Rechenzentrum der Welt täte es sich an, so etwas kostenlos unterzubringen. Second Life wäre mit einem Schlag vom virtuellen Erdboden verschwunden.

Nun werden einige Menschen sagen, dass das noch lange dauern kann, bis so etwas geschieht. Nein, das glaube ich nicht. Denn Second Life füttert sich aus einem unglaublichen Medien-Hype, der durch nichts, was das Produkt kann, im mindesten gerechtfertig ist. Marketing können die Jungs, das muss man ihnen lassen. Doch die größte Begeisterung wird abflauen, dafür sind die Medien zu launisch und schreien zu schnell nach etwas Neuem. Und wenn niemand mehr darüber spricht, wenn die Medien das zweite Leben fallen lassen, weil sie ein neues Spielzeug gefunden haben, dann ist es vorbei. Ein Jahr, vielleicht zwei Jahre von jetzt kräht kein Hahn mehr danach, und bei Spiegel Online ist der Nachruf zu finden. Tschüß, Second Life!

Bildquelle: Pixelquelle 

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5 Kommentare zu “Second Life: Willkommen im Kettenbrief 2.0”

  1. Wochenende:

    ..irgendwann müssen die second-lifer auch mal wieder arbeiten, oder?

  2. klaus:

    mann mann mann … die leute müssen echt mal zeit haben *unverständnis*

  3. Joaquin:

    “Das ganze Second Life-Imperium ist auf Geld aufgebaut: Bereits bei der Anmeldung wird klar, dass die Angabe der Kreditkartennummer…”

    Ich konnt da ohne Kreditkartennummer usw. mich anmelden und in SL starten.

    “Das Geld, was in diesem Mikrokosmos zirkuliert, kommt von den Neuanmeldungen. Neueinsteiger finanzieren die Alteingesessenen,…”

    Du weßt aber schon, dass es möglich ist, sich kostenlos dort anzumelden und SL zu erleben?

    “Nur zur Verdeutlichung: Geld kostet dort schließlich alles…”

    Ich habe dort schon mehrere Dinge umsonst bekommen.

    Bei aller Freude an der Kritik, sollte die Wahrheitstreue und Objektivität doch nicht darunter leiden. Bei deinem Geschreibe stellt sich mir eher dir Frage, ob du überhaupt schon einmal versucht hast, dich bei SL anzumelden und die virtuelle Welt überhaupt selber betreten hast?
    Gerade die von mir zitierten Passagen deines Textes, sind schlichtweg falsch!

  4. eyean:

    jou, ich konnt mich da auch umsonst anmelden. Habs mehrere stunden lang gespielt-5linden$ verdient, nichts bezahlt… :)
    Allerdings muss ich sagen, dass es mir nicht grade spaß gemacht hat ne halbe stunde für lumpige 3$ rumzusitzen. Ist natürlich leicht verdient, abba totlangweilig.
    Abba es gibt wohl wirklich menschen, die vom SL leben. Die machen im SL jeden tag ihren job, für den die Lindenblüten sprießen und können sich dann echte SL-Adidasschuhe leisten,wow…
    naja, ich hab jedenfalls gemerkt, dass das kein spiel für mich ist…lediglich sims worldwide…

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