Siemens-Korruption: Trauerspiel, aber ohne Konsequenzen
Der Stern, den Siemens am deutschen Industriehimmel darstellt, entwickelt sich immer mehr zu einer in sich geschlossenen Supernova: Nach dem peinlichen Niedergang der Handysparte ist der deutsche Hersteller inzwischen der Inbegriff von Korruption und Schmiergeldern. Letztere sollen nun auch in der so erfolgreichen Mobilfunksparte geflossen sein, um den einen oder anderen lukrativen Auftrag an Land zu ziehen. Doch anstelle lauter Kritik wird nun anscheinend alles wieder gut: Der Shareholder-Value schafft neues Vertrauen in den Konzern, Protest gibt es kaum.
Werfen wir erst einmal einen Blick auf die aktuellen Vorwürfe, inzwischen kann man daraus ja eine wöchtliche Kolumne machen. inside-handy schreibt:
So seien rund 1,7 Millionen Euro zwischen dem 27. Oktober 2005 und dem 24. Februar 2006 aus ICM-Kassen an die Schweizer Siemens-Tochter Intercom Telecommunication Systems geflossen. Die Firma stehe bei Schweizer Fahndern und in München im Verdacht, als “Waschmaschine” für Schmiergeldzahlungen fungiert zu haben.
Was ist die Konsequenz? lr-online berichtet:
Doch trotz des größten Skandals in der Unternehmensgeschichte fiel die Kritik relativ milde aus. Führung und Aktionäre wollen den Blick nach vorne richten und einen Neuanfang suchen. Vorstandschef Klaus Kleinfeld und Aufsichtsratsvorsitzender Heinrich von Pierer zeigten sich vor Beginn des Aktionärstreffens in guter Stimmung.
Unter dem Strich scheint das liebe Geld, auch wenn auf der einen Seite weggeschmiert, wie immer alles zu regeln: Dank Börsengang der Autotochter VDO und hervorragender Aktienkurse sind nun auch die Aktionäre wieder ruhig. Moral ist halt doch nur der Mangel an Gelegenheit.
Bildquelle: Siemens
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April 15th, 2007 at 01:02
Bin durch Zufall und Surfen auf diesen Blog gestoßen und darf Ihnen berichten, dass ich eine Satire u.a. auch zu diesem Thema geschrieben habe. Ich glaube, dem ich nichts hinzuzufügen:
>Gewöhnungsbedürftig sind da noch immer Gammel-Konzerne, die wie ein Haufen frischerbrochener Kotze stinkend an den weltweiten Börsen durch ihre Aufsichtsräte und Vorstände maximierte Aktiengewinne einstreichen und in der globalisierten Wirtschaft ihre dreckigen Geschäfte betreiben, in allen Medien mit ihrer Skrupellosigkeit einer staunend entrüsteten Öffentlichkeit vorgeführt. Firmen wie z.B. Siemens, ehemals ein Markenzeichen bundesdeutscher Wertarbeit und Qualitätsprodukten auf dem elektrotechnischen Markt, heute der Inbegriff für Korruption und illegale Preisabsprachen, für skrupellos verbrecherisches Management, ohne den Minimalkonsens wirtschaftlich-gesellschaftlicher Unternehmensverantwortung, ein Spiegelbild des Verfalls ethisch-moralischer Werte. Dieser eklige Korruptionsgestank aus dem Siemens Vorstandssumpf, der da durch unsere Gesellschaft wabert und das Klima vergiftet, gepaart mit dieser bislang unvorstellbaren kriminellen Energie, lässt doch die VW-Korruptionsaffäre inzwischen richtig harmlos gemütlich aussehen.
Natürlich, da haben Sie recht.
Der Staat oder besser die Justiz haben doch reagiert, mehr als die Hälfte des Konzernvorstandes sind verhaftet und sitzen bereits im Knast, der international gute Ruf ist ruiniert, aber die Umsätze sind nach wie vor gestiegen wie die Aktienkurse. Am Ende wird wieder eine außergerichtliche Vereinbarung gegen Zahlung eines lächerlichen Bußgeldes mit gut bezahlten Anwälten, realitätsblinden Richtern und Staatsanwälten getroffen und dann heißt es grinsend: Weiter so.
Na schön, die 400 Millionen Euro Bußgeld wegen illegaler Kartelle werden die Bilanz etwas verhageln. Aber so etwas tangiert den Aufsichtsrat nur am Rande. Siemens wird globalisiert längst mit der gleichen skrupellosen Brutalität geführt wie die russische Mafia, die niedergemetzelten Opfer am Rand der Erfolgsstraße interessieren niemanden. Auf der Jahres-Aktionärs-Versammlung hören Sie nur scheinheilige Entschuldigungsphrasen und heuchlerische Beteuerungen von konsequentem Vorgehen gegen Rechtsbrüche und Korruption im Konzernvorstand. Der korrumpierte Aufsichtsrat erhält wie immer – wenn auch mit Abstrichen – seine geplante Entlastung, es ist alles auf einem guten Weg. Denn die Geschäfte mit Siemens waren immerhin gut und ertragreich für die Investoren.
Das ist es doch letztendlich worauf es in der globalisierten Wirtschaft ankommt.
Kann es wirklich schon genügen diese kriminellen Wirtschaftsbosse im Knast wegzusperren und die Schlüssel in den Gulli werfen?
So etwas nennt man heute einen Gammel-Konzern, stinkend wie die ekeligen Fleischabfälle die längst wieder in den Kreislauf des Handels integriert wurden.
Und wer trägt dafür die Verantwortung?
Die Politiker, die Volksvertreter, der Staat, die Lobbyisten oder der Bundesverband der Deutschen Industrie, der Vorstand der Deutschen Bank, die ja bekanntlich in jedem dreckigen Geschäft ihre Finger hat?
Nein, die Schuld tragen Sie selbst, Sie ganz persönlich.
Sie sind schuld, dass Siemens immer noch so verbrecherisch handeln kann, wie es das Management unbeeindruckt von öffentlichem Protest tut.
Warum?
Sind Sie wirklich so naiv?
Wer kauft denn nach wie vor Siemens Elektrogeräte und Handys, statt diese Marke konsequent zu boykottieren?
Ich habe keine Elektrogeräte von Siemens mehr in meinem Haushalt, und ich würde niemals ein Siemens-Handy kaufen. Bei Ihrem nächsten Elektrogeräteeinkauf ist es doch kein Problem, dass Sie dem kompetent freundlichen Kundenberater sagen: „Nein, ich möchte auf keinen Fall so ein Gerät von Siemens, ich kaufe nichts von Kriminellen und Gammel-Konzernen.”
Gehen Sie zu ihrem nächstgelegenen Siemens-Vertragshändler und zerstören Sie vor dem Laden ihr ohnehin ausrangiertes Siemens Elektrogerät und sagen Sie jedem vorbeikommenden und erstaunt aus der Wäsche glotzenden Passanten, dass Sie damit gegen die verbrecherische Politik des Siemenskonzerns protestieren. Wenn das viele in vielen Städten machen, wird das Wirkung zeigen. Überziehen Sie die Einkaufsstraßen mit Siemens Elektroschrott, zerstören Sie Siemens-Technik, wo immer es möglich ist.
Sie glauben und faseln doch sonst immer blauäugig naiv von der marktkontrollierenden Macht der Verbraucher, die jeden Produzenten durch konsequenten Nichtkauf abstrafen können. Das haben Sie dieses Mal aber völlig verpennt und verschlampt. Da werden Sie sich aber anstrengen müssen, und am besten fangen Sie noch heute damit an statt erst morgen.