Telefon-Terror der Telekom-Typen
Neulich in der Warteschleife… Wehe dem, dessen Telefon-Anschluss eines Tages den Dienst verweigert. Dieser Artikel könnte auch unter dem Titel laufen: Wie es Kai Kiste in 14 Tagen mit der gesamten Telekommunikationsbranche aufgenommen hat und schließlich obsiegte…
Tag 1: Ab und zu muss man ja auch in Zeiten des Mobil-Zwangs mal über das Festnetz telefonieren. Doch was tun, wenn’s plötzlich nicht mehr geht? Kunde Kai Kiste hat eine Telefon- und Internet-Flatrate von Arcor, also flugs mal in Eschborn angerufen. Telefonnummer der Arcor-Kundenbetreuung steht ja in der Bedienungsanleitung der Arcor-Starterbox.
“Sie sprechen mit der Vodafone-Kundenbetreuung”, behauptet die nette Automatenstimme. Achja, Arcor heißt ja jetzt Vodafone. Hätte man wissen können. Der Automat belehrt, dass bei technischen Störungen nun doch eine andere Nummer gewählt werden muss. Also gut, wählen wir die Nummer der Vodafone-Störungsannahme. Ein weiterer Automat heißt uns herzlich willkommen und verlangt höflich die Eingabe der Kundennummer oder der Telefonnummer sowie des Geburtsdatums (Kommt jetzt etwa Schmuddelkram? Nein, doch nicht.)

Das Frollein vom Amt
Kai Kiste landet in der Warteschleife, da angeblich “alle freien Plätze belegt” sind. “A Fine Frenzy” geben ihren Hit “Come on, come out” zum Besten. Naja, gibt schlimmere Warte-Melodien (aber dazu ein anderes Mal mehr). Nach zehn Minuten oder so meldet sich ein mutmaßlicher Mensch aus Fleisch und Blut, dem Kai Kiste sein Problem schildern kann. Der Mensch checkt mit seinem magischen Computer unseren Anschluss und erkennt sofort, dass das Problem auf keinen Fall bei Arcor (äh, Vodafone) liegen kann, sondern auf jeden Fall bei der Deutschen Telekom, von der man den Anschluss gemietet hat. Er verspricht, einem Telekom-Mitarbeiter Bescheid zu sagen, welcher sich am nächsten Tag melden wird, um Bescheid zu sagen, ob er persönlich vorbeikommen muss oder nicht. Dazu muss Kai Kiste seine E-Plus-Handynummer preisgeben, um erreichbar zu sein.
Wo wir schon dabei sind: Das Handy stammt von Nokia, das Telefon von Hagenuk, der Anrufbeantworter von Swatch, und die Fritzbox WLAN, die für DSL zuständig ist, ist ein Überbleibsel aus dem leidigen Vertrag mit Freenet (doch das ist wieder eine andere Geschichte).
Tag 2: Kai Kiste wird gegen Abend etwas nervös, weil sich natürlich kein Telekom-Mitarbeiter bei ihm gemeldet hat. Muss er sich jetzt den folgenden Tag freinehmen oder nicht? Anruf bei der Telekom, doch die nette Mitarbeiterin in Bonn (vielleicht war’s auch Bombay, wer weiß) hat keinen Zugriff auf Kundendaten von Arc Vodafone, tut ihr leid.
Was soll’s, der Abend ist eh schon hinüber, also nochmal bei Vodafone angerufen. Nach dem üblichen Prozedere (Automatenstimme, Telefonnummer, Geburtsdatum, 10 min. “A Fine Frenzy”) sagt der Mensch leutselig, nein, wenn sich niemand von der Telekom gemeldet habe, brauche man auch nicht zu warten. Auch gut.
Tag 3: Etwas ist anders: Das Lämpchen “Amt” an der Arcor-Starterbox leuchtet wieder! Telefon: Geht nicht. Internet: Geht! Immerhin etwas. Nochmal bei Vodafone angerufen, um über den Erfolg zu berichten. Wenn man wolle, dass das Telefon auch geht, könne man am Samstag zwischen 8 und 12 Uhr den Telekom-Mann nochmal vorbeischicken. Auja, auf geht’s!
Tag 7: Eigentlich nutzen Berufstätige den Samstagmorgen ja zum Ausschlafen, aber wenn’s um das eigene Telefon geht, muss man Kompromisse machen. Also halb 8 aufgestanden, Bierdosen weggeräumt, Kaffee aufgesetzt und auf den Telekom-Mann gewartet (okay, könnte auch eine Frau sein). Es wird 8, es wird 9, es wird 10, es wird ärgerlich, denn draußen ist der schönste Sonnentag der Woche bereits in vollem Gange. Es wird natürlich auch 11 und 12 Uhr und niemand kommt vorbei, ja es ruft noch nicht mal jemand an. Kai Kiste ist stocksauer, beschließt aber, sich das Wochenende vom Telefon-Terror freizunehmen und erst am Montag Arc Vodafone anzurufen.
Tag 9: Das freie Wochenende hat nix genutzt: Kai Kiste ist geladen, als er die Warteschleife hinter sich hat. Er will keinesfalls nochmal umsonst warten, und ein Termin am folgenden Samstag ist eindeutig zu weit weg. Das Frollein vom Amt argumentiert: “Ich kann niemanden vorbeischicken, wenn niemand vor Ort ist!” Der Kunde hält dagegen: “Ich warte nicht bis Samstag, und ich nehme mir auch nicht schon wieder umsonst einen Tag frei, um auf einen Techniker zu warten, der nicht kommt!!” Frollein: “Tja!!!” Kunde: “Tja!!!!” Man einigt sich darauf, dass die nette Nachbarin die Tür am nächsten Morgen öffnet.
Tag 10: Die Telekom kommt tatsächlich, überprüft dies und das und sagt, von ihrer Seite sei alles okay, das Problem müsse bei Vodafone liegen. Man verspricht, der Konkurrenz Bescheid zu sagen, die werde sich dann melden.
Tag 12: Nein, niemand hat sich gemeldet. Scheint eine Masche der Telefonunternehmen zu sein. Die Hotline angerufen, der Automat behauptet: “Ihre Störung vom 9. August ist behoben.” Kai Kiste überlegt kurzzeitig, ob die Flasche Ouzo auf dem Schrank auch warm getrunken werden kann, entscheidet dann aber, sich zwei weitere Tage Urlaub vom Telefon-Terror zu nehmen.
Tag 15: Ein letzter Anruf bei Ar Vodafone, bevor man das Killer-Kommando der Al-Kaida losschickt. Viel los an diesem Sonntag: “Bitte entschuldigen Sie, es sind weiterhin alle Plätze belegt”, schleimt der Automat nach 10 Minuten. Weitere 15 Minuten später – “A Fine Frenzy” wird übrigens mit Sicherheit ein One-Hit-Wonder, dieses “Come on, come out” kann man sich ja nicht mal 25 Minuten hintereinander anhören – sagt ein Mensch: “Ich sag der Technik Bescheid, wir melden uns bei Ihnen.” Während Kai Kiste überlegt, ob man den Kündigungskonfigurator von inside-handy.de auch beim Festnetz benutzen kann, ist das Gespräch schon beendet. Irgendwie wie beim Arzt: Drei Stunden warten und dann in drei Minuten mit einem Rezept abgefertigt werden.
Tag 16: Vodafone am Handy: Man käme gleich vorbei, ob jemand zuhause sei. Nochmal die nette Nachbarin bemüht, dann abends erneuter Anruf (Vodafone meldet sich wenigstens; bei der Telekom scheint es keine Mobil-Flatrate für Mitarbeiter zu geben): Es sei jetzt alles klar, der analoge Port an der Starterbox sei hinüber (“Zitat: Das ist das Billigste vom Billigen, was da verbaut wird”), er habe den Stecker einfach in die andere Buchse gesteckt, jetzt gehe es wieder. Er könne die Box austauschen, dafür würden aber 51 Euro fällig, man solle doch lieber in ein paar Tagen bei Arcor Vodafone anrufen und behaupten, die Box sei kaputt, dann bekomme man kostenlos ne Neue geschickt.
Tja, geht doch, so schnell kann man ein Problem lösen. Gerade mal zwei lächerliche Wochen ohne Telefon gewesen. War irgendwie auch ganz erholsam. So wie früher ohne Handy.
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August 25th, 2009 at 20:14
ich hasse mittlerweile den sogenannten “service” von so vielen grossunternehmen. da wird man selbst in einem dringenden fall von der internet-bank extrem langsam, unkompetent und ruppig “bearbeitet”. in einem call-center wurde ich beraten, soviel müll hat mit die dame erklärt, da schlackern einem die ohren. am besten ist immer alles schriftlich festhalten, briefe schreiben, emails schreiben, faxen.
August 26th, 2009 at 22:22
War hier aber eindeutig die Schuld von Vodafone bzw. eine Angelegenheit von Vodafone, da der Fehler am Endgerät (Router) lag. Die Telekom hat den Anschluss überprüft, dieser funktionierte ordnungsgemäß. Hätte Vodafone eigene Techniker, könnten diese bei den Kunden vor Ort kommen und auch die Endgeräte überprüfen. Leider hat Vodafone einen solchen Service nicht und die Kunden stehen alleine da. Aber zuerst wird die Schuld immer auf die Telekom geschoben. Ich hab seit über 20 Jahren nen Telekom-Anschluss und hatte noch nie Probleme. Und wenn mal was nicht funktioniert, haben die wenigstens Techniker-Service die einem dann weiterhelfen. Da zahle ich lieber 5 Euro mehr für meinen Anschluß und hab alles aus einer Hand, wie das ganze Durcheinader mit den Fremdanbietern.
August 28th, 2009 at 20:04
Das schlimme ist, dass man inzwischen eigentlich nirgends mehr eine vernünftige Auffassung von Service hat.
Telefonhotlines helfen oder helfen nicht, das kann ganz unterschiedlich ausfallen weil man da manchmal gar nicht in der Lage ist wirklich den Zust√§ndigen zu erreichen.
Auf Mails habe ich bei Problemen manchmal gar keine Antwort erhalten – das √§rgert mich besonders weil ich halt immer gehofft habe durch Mailkontakt die argerlichen Telefonwarteschlangen umgehen zu können. Also zumindest bei der Telekom funktioniert das nicht – da kann man die Mail gleich vergessen.
August 31st, 2009 at 13:15
Ohne Telefon ist vielleicht besser! Und dann herrscht die Ruhe! Das ist ja toller Artikel!
Oktober 16th, 2009 at 10:57
… hab bei Arcor schon das gleiche Problem gehört,die Telekom zieht aber nach, vorallem mit so Typen die ganz clever anrufen und schon für dich den besten Tarif rausgesucht haben und du nur noch das Ganze best√§tigen sollst. H√§√§√§√§√§, was ist noch günsiger als eine Flatrate?
Es geht immer nur um Provisionen für Neuverträge, den Kunden nervts und jedem ist das egal.