Tödliche SMS: Die Geschichte einer törichten Story
Liebe Kollegen aus Print, Online, Funk und Fernsehen: Ist die Meldung zu einer angeblich tödlichen SMS, die in Ägypten ein paar Hinterwäldler Menschen aus der Landbevölkerung kirre gemacht hat, wirklich den ganzen Wirbel wert, den die Medienszene daraus gemacht hat? Mehr als 50 Treffer spuckt Google News bei der Suche nach diesem Thema aus. Schlimm genug, dass die ägyptische Regierung Mühe darauf verwenden musste, diesen Schwindel aufzudecken. Zahlreiche Journalisten haben ihre Arbeitszeit für diese Meldung ver(schw)endet. Natürlich haben auch unzählige Blogs das Thema aufgegriffen.
Viele Worte um ein Thema, das nicht wirklich die Beachtung verdient, die es erhalten hat. Keine Frage, bunte Meldungen und Kuriositäten gehören zum journalistischen Alltag. Man kann es allerdings auch übertreiben und aus einer Mücke einen Elefanten machen. Nur weil in Ägypten jemand wegen einer angeblich tödlichen SMS einen Schlaganfall erlitten hat, gerät die Weltpresse in hektische Betriebsamkeit. Aberwitzige Parallelen zum Horror-Film “The Ring” werden gezogen, Mediziner und Wissenschaftler müssen sich ernsthaft über die Wahrscheinlichkeit einer solchen Killer SMS äußern.
Wirklich spannend ist das Thema auch nicht. Killer-SMS scheinen eine beliebte Urban Legend zu sein: Schon 2007 machten Meldungen zu einer angeblich tödlichen SMS aus Indonesien die Runde. Das Internet leistet bei der Verbreitung von solchen törichten Storys natürlich ganze Arbeit. Beim Wettrennen um die schnellste Story aus dem entlegensten Winkel dieser Welt sollten vor allem Journalisten allerdings nie vergessen, dass Relevanz und nicht Geschwindigkeit letztlich eine runde Geschichte ausmachen.
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März 27th, 2009 at 12:23
Glücks-Ketten-SMS mal umgekehrt, wie schön.
“Hallo, dass lesen dieses Textes verursacht eine tödliche Augenkrankheit” – versende diesen Text an 10 Leute, die Du nicht leiden kannst – wenn Du es nicht tust, wirst Du selber krank.
[Subtext] …aber eigentlich bist Du schon total krank, wenn Du diese SMS nicht einfach löschst. Außerdem kann Dich ja mindestens einer nicht leiden, weshalb Du diese SMS ja überhaupt nur erhalten hast. Das alleine könnte schon eine schwere Depression hervorrufen.
Da finde ich es fast schon harmlos, dass da gelangweilte Redakteure einen Bericht schreiben – sollen sie doch, das Internet ist voller Kuriositäten. Ich warte viel mehr auf die erste, von der EU geförderte Studie zu diesem Thema, vielleicht mit dem Titel: “Die Auswirkungen von Killer-SMS auf den Wirtschaftsstandort Europa“. Ach ja, damit die EU auch wirklich Fördergelder gibt müsste der Titel leicht abgeändert werden: “Die Auswirkungen von Killer-SMS auf den Wirtschaftsstandort Europa im Rahmen der Wirtschaftskrise unter den Bedingungen des Klimawandels“. So geht´s. Muss mal gerade bei meinem alten Uni-Professor anrufen…
März 27th, 2009 at 14:29
Nicht gerade neu. Zumindest schlecht wurde und wird mir sehr oft beim Lesen diverser SMS bereits vor dieser SMS Verarsche…
März 27th, 2009 at 20:00
Wenn man Ägypten und Ägypter kennt, wie deren Gedankenwelt aussieht, ist es nicht verwunderlich, daß so reagiert wird. Selbst hoch gebildete Ägypter kann man viel Erzählen und sie glauben es ohne wenn und aber. Zudem ist auch viel Aberglaube in Ägypten im Spiel
April 14th, 2010 at 12:41
[...] mit Mobiltelefonen zu verschicken. 1994 brachte Nokia das erste SMS-Handy auf den Markt und das Verschicken von Kurzmitteilungen war zunächst eine kostenfreie Zusatzfunktion, um Mitteilungen über Netzstörungen oder ähnliche [...]