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Unerträgliche “Spannung” bei DSDS


Neulich auf dem Sofa… Wird man Job- oder beziehungsbedingt einmal zwangsweise samstags vor den TV-Schirm verbannt, wartet eine besondere Folter auf RTL-Gucker: “Deutschland sucht den Superstar“, kurz DSDS. War die erste Staffel noch interessant, weil neu, kann man mittlerweile beim gefühlt fünfzehnten sechsten Aufguss der Castingshow nur noch staunen ob der Engelsgeduld der eingefleischten Fans. Einen exzellenten Job als Foltermeister macht dabei Woche für Woche RTL-Grinsekatze Marco Schreyl.

Die drei lustigen Vier

Die drei lustigen Vier

Der vermeintliche Hauptteil der Show ist schnell erzählt: Dominik, eine Art “James Blunt für Arme“, quält die Sinne mit der unsäglichen La-Boum-Schnulze “Reality”; eine gewisse Vanessa bedient mit “Ich will ‘nen Cowboy als Mann” den aktuellen Unterschichten-Schlager-Trend; Tanzbär Holger bringt Freddie Mercury mit seiner Karaoke-Version von “We are the Champions” posthum zum Rotieren. Der Rest passt sich dem äußerst originellen Show-Motto “Die größten Partyhits aller Zeiten” nahtlos an.

Doch für RTL ist dies alles nur Vorgeplänkel, denn nach der Singerei (der Möchtegern-Künstler) und Zankerei (der Möchtegern-Jury) geht’s für den Sender ans Geldverdienen. Nachdem alle acht Kandidaten noch ca. fünfmal mit Telefonnummern vorgestellt wurden, verspricht Marco Schreyl gegen 22 Uhr leutselig: “Jetzt gibt’s von Klitschko was auf die Fresse, und in einer Stunde gibt’s die Entscheidung bei DSDS. Also, anrufen und dranbleiben!

Von Klitschko gibt’s für den aufmüpfigen Kubaner Gomez tatsächlich was auf die Fresse, allerdings erst ab 23 Uhr, als Marco angeblich “die Entscheidung bei DSDS” verkünden wollte. Dann aber, gegen Mitternacht, schalten wir vom Boxkampf in Stuttgart tatsächlich wieder zum Singkrampf nach Köln, denn jetzt gibt’s ja die Entscheidung!

Nicht ganz: Zunächst präsentiert uns Marco eine brandaktuelle Zwischen-Grafik, die staunen lässt: Der Kandidat auf Platz 1 hat 19 Prozent, der auf Platz 8 hat nur vier Prozent! Toll. Wie das bei der Entscheidungsfindung helfen soll? Fragen Sie RTL. Hauptsache, es werden noch ein paar Anrufer gelockt: Schnell noch mal alle Kandidaten mit Telefonnummer vorgestellt, zwei bis drei Werbeblöcke eingeschoben, und um halb eins kann’s auch schon losgehen mit der Entscheidung.

Jetzt beginnt die Folter erst richtig. Eigentlich dachten wir, Carsten Spengemann sei nicht mehr zu toppen. Doch dann kam Marco Schreyl. Mit bedeutungsschwangerer Stimme nimmt er sich jeden Kandidaten einzeln vor: “Sarah…” (zwei Minuten Pause) “Die Jury hat gesagt: …” (Schreyl zitiert die Jury und lässt zwischen jedem Satz zwei Minuten Pause) “Ist dein Traum hier zu Ende?” (Sechs Minuten Pause) “DU BIST WEITER!!!” (Zehn Minuten Applaus). Dann der Nächste: “Dominik…” (zwei Minuten Pause)… usw. usw.

Damit nicht genug: Jeder zweite Kandidat wird nach seiner fünfzehnminütigen Schreyl-Litanei “nach vorne” gebeten, sprich: Nach gefühlten drei Stunden “Spannung” steht jetzt die Hälfte der Kandidaten (die andere Hälfte sitzt noch) auf der Bühne und darf sich das Ganze noch einmal anhören! Schließlich – ist es wirklich schon ein Uhr nachts? – bleiben nur noch Annemarie, anscheinend Everybody’s Hass-Objekt, und ein Schönling namens Marc übrig. “Die hassen mich hier alle so dolle,” raunt Annemarie Marc (und dem per Mikro “zufällig” zugeschalteten Saal- und TV-Publikum) ins Ohr. Zweimal, damit es auch jeder mitkriegt. Dann fliegt Marc raus.

Keine Sorge, Annemarie, wir hassen nicht nur dich so dolle.

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8 Kommentare zu “Unerträgliche “Spannung” bei DSDS”

  1. pedaa:

    ein wunderbar sarkastischer Beitrag, besser hätt ich ihn selbst nicht treffen können. Daher lasse ich einen Post lieber bleiben und verweise getrost auf euren Blog.

    Amen!

  2. ikkeikke:

    Hallo,

    nett geschrieben.

    Diese Beiträge zu DSDS sind aber auch nicht schlecht:

    http://www.vollossi.de/category/live/dsds-live/

    Grüße

    Ikke

  3. Nick:

    Der ist nicht schlecht der Artikel, anders als sarkastisch kann man mit DSDS einfach nicht mehr umgehen, ich warte immer noch darauf, bis sie es endlich mal bleiben lassen und bessere Shows zeigen ^^

  4. Martin:

    :) Sehr schön! Besser kann man diesen TV-Müll nicht beschreiben.

  5. Ralf:

    Tja, es wird halt produziert, was der Fernsehzuschauer ansieht…

  6. bulce:

    nun die argumentation ist aber auch nicht ganz korrekt, denn wenn nur noch mist im tv läuft wir noch immer irgendwer hohe einschaltquoten haben, denn der zuschauer wählt das programm das von den schlechten noch das beste ist.

    irgendwann ist aber auch bei den hartnäckigsten der punkt erreicht wo abgeschaltet wird. entweder der fernseher oder das hirn ;)

  7. Sven:

    Ich weiß schon, warum ich kaum noch fernseh gucke. Ich bin dann lieber im Internet und informiere mich über aktuelle und wirklich wichtige Themen als so ein Schrott wie DSDS!

  8. AnguloJuan:

    Ich habe um 23.45 Uhr eingeschaltet, weil ich neugierig war, wer von den Bekloppten rausfliegt. Um 23.59 Uhr war ich dann drauf und dran, abzuschalten, weil es natürlich immer noch nicht raus war. Man hat ein bisschen das Gefühl, als würde Marco Schreyl zwischen den einzelnen S√§tzen einschlafen oder sehr lange zum √úberlegen benötigen…

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