Völker der Welt, lasst Euch nicht mit Werbung bekleiden!
“Gut gut, werter Autor, das ist ja nun nix Neues. Das tun wir doch eh schon die ganze Zeit!” höre ich schon die ersten Nachrichten auf meiner Mailbox eintrudeln. Stimmt, klar, geb ich auch zu: Für ein Hemd, mit dem man nachweislich Werbung macht für Adidas oder so, zahlen die Menschen mehr als für ein Hemd ohne Aufdruck. Eigentlich beknackt, funktioniert das System doch sonst auf diesem Planet anders herum: Wenn man Werbung drauf druckt, wird es billiger. Egal, darum geht es jetzt gar nicht.
Gehen wir einen Schritt weiter, weil ja die oben erwähnte Werbung nicht ganz so offensichtlich ist, und machen das alles noch etwas offensichtlicher. Sprechen wir doch mal von Promotern. David Sedaris hat in seinem hervorragenden Buch “Santaland Diaries & Seasons Greetings” geschrieben, es breche ihm das Herz, einen erwachsenen Mann zu sehen, der wie ein Taco bekleidet sei. Derartige Dinge gehörten nicht auf die Straße.
Nun hat anscheinend ein pfiffiger Engländer ein neues Werbemedium entdeckt: Den umhängbaren Bildschirm, aufgeschraubt auf einem Tonister. (Tonister heißt das vermutlich inzwischen nicht mehr, sondern ganz profan “Ranzen”, aber wenn man eine nagelneue Technologie hat, dann ist “Tonister” irgendwie das hübschere Wort.) Der kann anscheinend mit immer neuen Nachrichten versorgt werden, und zeigt auf dem Rücken des Trägers tolle, wichtige Werbebotschaften. Vielleicht auch SMS-Gewinnspiele.
So, lieber Werbeschaffender, der Du Dir diesen Bullshit ausgedacht diese ganz tolle Idee hattest: Hast Du Dir mal überlegt, wie unheimlich erniedrigend das ist, was du mit dem Träger des Quatsches antust? Nicht, das es nicht erniedrigend genug wäre, als Litfass-Säule durch die Gegend zu laufen. Aber wenn Menschen mit Fingern auf einen zeigen und lachen, dann ist das nicht schön. Genau das wird nämlich passieren. Gut, wirst Du jetzt sagen, auch das ist Werbung, und die Leute schauen hin. Richtig, aber ich glaube nicht, dass sich dann da freiwillig Werbeträger drauf breitmachen. Wer will schon mitleidig angeguckt werden? Lauf doch schon mal alleine los!
PS: Alternativ war mir ein anderer Titel eingefallen: “Sedaris, bitte schreiben Sie!” Das hätte zwar inhaltlich besser gepasst, aber solange nur zirka 16 Prozent der deutschen Bevölkerung wissen, wer David Sedaris ist, und von denen dann vielleicht noch einmal drei Prozent, welches Zitat ich meine, dann wäre meine Zielgruppe sehr klein. Und so gucken dann wenigstens die ganzen Marketing-Absolventen auf der Suche nach einem Examensthema hier rein. Was tut man nicht alles für die Klickrate?
Bildquelle: PSFK
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